Hörspielkassetten – eine Zeitreise mit Bleistift und Bandsalat

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Die MC – die gute alte Musikkassette – gehörte einfach zu unserer Kindheit. Es gab sie mit Musik, Hörspielen, Märchen und Geschichten oder zum Selberbespielen. Langsam verdrängte sie die LP und hielt Einzug in unsere Kinderzimmer.

Bei uns bedeutete das manchmal ganz einfach: Wer sitzt gerade vor dem Kassettenrekorder?

Denn das Gerät war schließlich begehrt. Vielleicht hatte meine kleine Schwester gerade ihre Märchen oder irgendwelche Mädchengeschichten laufen. Vielleicht hatte mein Vater seine Elvis-Kassetten eingelegt. Und irgendwo im Hintergrund wartete schon meine eigene Ungeduld darauf, endlich Masters of the Universe hören zu können.

Also hieß es warten oder verhandeln und hoffen, dass die Kassette bald zu Ende war.

Irgendwann bekam ich dann meinen eigenen Kassettenrekorder. Ich war sieben Jahre alt und für mich war das ungefähr so, als hätte man mir ein kleines Stück Unabhängigkeit ins Kinderzimmer gestellt. Und natürlich durfte das passende Futter nicht fehlen.

Hörspiel

Wenn ich heute an meine Kindheit zurückdenke, gibt es Geräusche, die mich sofort wieder zurückbringen. Das leise Klicken eines Kassettenrekorders. Das typische Rauschen, bevor eine Geschichte beginnt. Dieses kurze Klack, wenn Play gedrückt wird.

Und irgendwo dazwischen liegt noch ein Bleistift.

Was haben also ein Bleistift und eine Kassette gemeinsam?

Für uns Kinder der 80er und frühen 90er waren sie ein ziemlich unschlagbares Team.

Die MC – die gute alte Musikkassette – gehörte einfach zu unserer Kindheit. Es gab sie mit Musik, Hörspielen, Märchen und Geschichten oder zum Selberbespielen. Langsam verdrängte sie die LP und hielt Einzug in unsere Kinderzimmer.

Bei uns bedeutete das manchmal ganz einfach: Wer sitzt gerade vor dem Kassettenrekorder?

Denn das Gerät war schließlich begehrt. Vielleicht hatte meine kleine Schwester gerade ihre Märchen oder irgendwelche Mädchengeschichten laufen. Vielleicht hatte mein Vater seine Elvis-Kassetten eingelegt. Und irgendwo im Hintergrund wartete schon meine eigene Ungeduld darauf, endlich Masters of the Universe hören zu können.

Also hieß es warten oder verhandeln und hoffen, dass die Kassette bald zu Ende war.

Irgendwann bekam ich dann meinen eigenen Kassettenrekorder. Ich war sieben Jahre alt und für mich war das ungefähr so, als hätte man mir ein kleines Stück Unabhängigkeit ins Kinderzimmer gestellt. Und natürlich durfte das passende Futter nicht fehlen.

Mein Masters of the Universe Doppelpack.

Ich weiß noch, wie besonders sich das damals angefühlt hat. Diese Kassetten waren für mich nicht einfach zwei Plastikgehäuse mit einem Stück Magnetband darin. Wenn ich sie eingelegt hatte und die ersten Geräusche aus dem Lautsprecher kamen, wurde mein Kinderzimmer plötzlich zu einem anderen Ort.

Eternia war geöffnet.

He-Man war da.

Skeletor lauerte irgendwo.

Und ich saß mitten in meinem eigenen Abenteuer.

Das Faszinierende war: Meine Actionfiguren bekamen plötzlich eine Stimme.

Bis dahin standen He-Man, Man-at-Arms, Teela, Orko und Skeletor einfach vor mir auf dem Teppich. Ich konnte sie in die Hand nehmen, bewegen und mir selbst ihre Geschichten ausdenken. Doch jetzt erzählte mir jemand, wer sie waren und was sie erlebten.

Norbert Langer als He-Man, Horst Naumann als Erzähler und später unter anderem Heinz Palm als Duncan, Dagmar von Krumen als Teela, Eckart Dux als Skeletor und Wolfgang Völz als Orko.

Diese Stimmen wurden ein Teil meiner Kindheit.

Wenn die Kassette lief, war das Wohnzimmer plötzlich nicht mehr nur das Wohnzimmer. Der Teppich wurde zum Schlachtfeld, das Sofa vielleicht zum Thronsaal und irgendwo zwischen Spielzeugkiste und Couchtisch konnte sich problemlos Eternia befinden.

Das Schöne daran ist, dass ich heute als Erwachsener genau weiß, wie simpel das eigentlich war.

Ein paar Figuren.

Ein Kassettenrekorder.

Eine Geschichte.

Und die Fantasie eines Kindes.

Mehr brauchte es nicht.

Nach Masters of the Universe kamen natürlich weitere Kassetten. TKKG gehörte dazu, ebenso wie die heute fast vergessenen Märchenkassetten aus der „Erzähl mir was“-Reihe mit ihren kleinen Begleitheften.

Auch zu Actionfiguren gab es immer wieder Kassetten. Bei Bravestarr und anderen Serien wurden Geschichten erzählt oder die Welt und ihre Figuren vorgestellt. Für uns war das eine perfekte Verbindung: Erst die Figur aus der Verpackung holen und dann hören, was sie eigentlich für ein Held war.

Und irgendwann passierte etwas, das ich damals gar nicht bewusst geplant hatte: Ich begann, Stimmen wiederzuerkennen.

Plötzlich stellte man fest, dass Orko und Käpt’n Blaubär dieselbe Stimme hatten.

Oder dass He-Man und Magnum irgendwie verdächtig vertraut klangen.

Heute muss ich darüber schmunzeln. Damals war das fast schon eine kleine Detektivarbeit.

„Moment mal … die Stimme kenne ich doch!“

Wolfgang Völz war für mich Orko und Käpt’n Blaubär. Norbert Langer war He-Man und Magnum. Stimmen wurden zu kleinen akustischen Fingerabdrücken meiner Kindheit.

Und diese Fingerabdrücke sind erstaunlich langlebig.

Noch Jahrzehnte später kann eine Stimme reichen und irgendwo im Kopf geht eine kleine Tür auf.

Man hört beispielsweise Gandalf oder Arthur Spooner und denkt plötzlich:

„Halt … das klingt doch irgendwie nach Skeletor!“

Und für einen kurzen Moment ist man wieder das Kind von damals, das vor dem Kassettenrekorder sitzt und gespannt darauf wartet, was als Nächstes passiert.

Natürlich gab es neben den Hörspielen auch Musik. Aber das ist eine andere Geschichte und bekommt ihren eigenen Platz.

Denn eigentlich möchte ich noch einmal bei diesem besonderen Duo bleiben:

Kassette und Bleistift.

Ich glaube, eine heutige Generation kann sich kaum noch vorstellen, wie wichtig dieser Bleistift damals war.

Wir hatten schließlich keine Zeitleiste.

Keinen Fortschrittsbalken.

Keinen Skip-Button.

Wenn man eine bestimmte Stelle hören wollte, hieß es: zurückspulen.

Und zwar ungefähr.

Dann Stop.

Dann Play.

Und hoffen, dass man nicht gerade zehn Minuten zu weit zurückgespult hatte.

Und wenn die Kassette irgendwann anfing zu leiern oder das Band sich verabschiedete, kam unser kleiner Notfallhelfer zum Einsatz.

Der Bleistift und rein in eines der Zahnrädchen und dann drehen.

Und drehen.

Und drehen.

Mit etwas Glück bekam man den Bandsalat wieder zurück in die Kassette. Danach vorsichtig einlegen, Play drücken und hoffen, dass alles noch funktionierte.

Manchmal tat es das.

Manchmal klang He-Man danach, als hätte er gerade drei Wochen im Weltall verbracht.

Aber genau daran konnte man auch erkennen, welche Kassette wirklich wichtig war. Eine Kassette, die ständig lief, sah irgendwann entsprechend aus. Das Band leierte, die Aufnahme wurde schlechter und irgendwann war sie einfach fertig.

Und wenn dann auch noch genau diese Kassette im Laden ausverkauft war …

Katastrophe.

Heute würden wir wahrscheinlich einfach kurz online suchen und hätten die Geschichte Sekunden später wieder auf den Ohren.

Damals hieß es: Pech gehabt.

Vielleicht nächste Woche.

Und genau deshalb waren diese Dinge für uns wertvoll.

Ich glaube, wir haben damals viel intensiver zugehört, weil wir nicht alles jederzeit haben konnten.

Eine Kassette wurde nicht einfach nebenbei gehört.

Sie wurde eingelegt.

Man wartete.

Man hörte.

Man spulte zurück.

Man hörte die Lieblingsstelle noch einmal.

Und irgendwann kannte man jede Pause, jedes Geräusch und jeden Satz.

Vielleicht liebe ich deshalb bis heute diesen alten Klang.

Dieses leichte Rauschen.

Das Knacken.

Das kurze Leiern.

Das mechanische Geräusch des Kassettenrekorders.

Es war nicht perfekt.

Aber genau das machte es echt.

Wenn ich heute einen alten Kassettenrekorder sehe, denke ich deshalb nicht einfach an ein veraltetes Stück Technik. Ich sehe wieder mein Kinderzimmer. Ich sehe die Figuren auf dem Teppich. Ich sehe den Europa-Sammelkoffer. Ich sehe mich selbst, sieben Jahre alt, völlig versunken in einer Geschichte.

Und irgendwo liegt natürlich der Bleistift.

Bereit für den nächsten Bandsalat.

Manchmal würde ich diesen Koffer tatsächlich gern noch einmal öffnen, eine alte Masters-of-the-Universe-Kassette einlegen und einfach auf Play drücken.

Nicht weil die Technik damals besser war.

Sondern weil sie mir etwas zurückgeben würde, das heute schwerer zu finden ist:

dieses Gefühl, dass ein Kinderzimmer groß genug für ein ganzes Universum sein kann.

Ein bisschen Rauschen.

Ein bisschen Knacken.

Eine Stimme aus dem Lautsprecher.

Und schon war man wieder mittendrin.

Auf Eternia.

Oder irgendwo zwischen TKKG, Märchenwald und dem nächsten Abenteuer.

Und wenn die Kassette dann am Ende Klack machte, wusste man:

Jetzt beginnt die Geschichte wieder von vorne.

Aber vielleicht war genau das damals das Schöne daran.

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